Diagnostic Quality Lab

Forschungsschwerpunkte

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit Verfahren zur Messung und Förderung der Qualität diagnostischer Entscheidungen. Dabei liegt unser Schwerpunkt auf «ill-defined decisions»: Entscheidungen, die unter hohem Zeitdruck, eingeschränktem Umfang und Qualität der verfügbaren Informationen und in dynamischen Situationen getroffen werden und wesentliche Konsequenzen für unsere Patienten haben. Insbesondere untersuchen wir die Mechanismen der Entscheidungsfindung in ad-hoc-Gruppen, wie sie typisch für die Notfallmedizin sind. Ein wesentlicher Fokus unserer Arbeit sind Ergebnisse mit direkter Bedeutung für unsere Patienten.

Laufende Projekte

Prävalenz und Charakteristika von Diagnosefehler

Fehlerhafte Diagnosen sind häufig, gerade in der Akutmedizin. Einige von ihnen können schwerwiegende Konsequenzen für die Patienten haben. Trotzdem ist über ihre Häufigkeit, ihre Folgen und die Umstände, unter denen sie entstehen, bisher nur sehr wenig bekannt. Wir führen verschiedene klinische Studien durch, um das Problem besser zu verstehen und darauf aufbauend Interventionen zu entwickeln, die helfen, Fehldiagnosen zu reduzieren.
Weiterführende Publikationen zum Thema finden Sie hier:

Diagnostic error increases mortality and length of hospital stay in patients presenting through the emergency room. Scand J Trauma Resusc Emerg Med. 2019

Patient safety culture in a university hospital emergency department in Switzerland - a survey study. GMS J Med Educ. 2019

Non-specific complaints at emergency department presentation result in unclear diagnoses and lengthened hospitalization: a prospective observational study. Scand J Trauma Resusc Emerg Med. 2018

When I say… diagnostic error. Med Educ. 2018

Now you see me: a pragmatic cohort study comparing first and final radiological diagnoses in the emergency department. BMJ Open. 2018

Factors predicting a change in diagnosis in patients hospitalised through the emergency room: a prospective observational study. BMJ Open. 2016

Diagnostic Decision support

Offensichtliches Ziel jeder Forschung zu Fehldiagnosen ist es, die Qualität medizinischer Diagnosen zu erhöhen, sei es durch spezifische Trainings, gezielte Interventionen am Arbeitsplatz oder (computerbasierte) Entscheidungsunterstützung.
Wir untersuchen, welche der vielen denkbaren Möglichkeiten auch hält, was sie verspricht, welche «Nebenwirkungen» mögliche Interventionen haben und wie sich Interventionen gegenseitig beeinflussen. Gerade in Zeiten von oft sehr optimistischen Versprechen einschlägiger Gesundheits-Apps ist eine wissenschaftliche Evaluation von deren Wirkung und Nebenwirkung essenziell.
Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:


Think Twice: Effects on Diagnostic Accuracy of Returning to the Case to Reflect Upon the Initial Diagnosis. Acad Med. 2020

Assessing clinical reasoning (ASCLIRE): Instrument development and validation. Adv Health Sci Educ Theory Pract. 2015

Diagnosis of Urinary Tract Infections by Urine Flow Cytometry: Adjusted Cut-Off Values in Different Clinical Presentations. Dis Markers. 2019

The development and validation of different decision-making tools to predict urine culture growth out of urine flow cytometry parameter. PLoS One. 2018

Link zu einer unserer randomisierten, kontrollierten Multicenterstudien zu computerized diagnostic decision support.
 
Link zu unserem Blog «Digitale notfallmedizinische News aus aller Welt» 

Kollaborative Entscheidungsfindung

Viele medizinische Entscheidungen, insbesondere in der Notfallmedizin, werden nicht durch einzelne Ärzte getroffen, sondern resultieren aus der Zusammenarbeit zahlreicher Kolleginnen und Kollegen. Solche Teamentscheidungen können vorteilhaft sein, insbesondere, wenn sich die Fähigkeiten und Kenntnisse der Beteiligten ergänzen. Gleichzeitig sind zahlreiche Mechanismen beschreiben, wie Gruppen zu schlechten, teils auch katastrophalen Entscheidungen kommen können.
In einer Reihe von sowohl experimentellen als auch randomisierten Studien im klinischen Kontext untersuchen wir verschiedene Einflussfaktoren innerhalb von Gruppen auf diagnostische Genauigkeit und entwickeln Modelle kollabrativer Entscheidungen.
Weiterführende Publikationen zum Thema finden Sie hier:

Diagnostic performance by medical students working individually or in teams, PubMed, Januar 2015

Whether two heads are better than one is the wrong question (though sometimes they are). Adv Health Sci Educ Theory Pract.
2020

Rating the quality of teamwork-a comparison of novice and expert ratings using the Team Emergency Assessment Measure (TEAM) in simulated emergencies. Scand J Trauma Resusc Emerg Med. 2019
 
Impact of the communication and patient hand-off tool SBAR on patient safety: a systematic review. BMJ Open. 2018
 
The Potential of Collective Intelligence in Emergency Medicine: Pooling Medical Students' Independent Decisions Improves Diagnostic Performance. Med Decis Making. 2017

How thinking about groups is different from groupthink. Med Educ. 2017

Confidence & Callibration

Ahnen Ärzte, wenn sie danebenliegen? Wir alle haben in unserem Alltag immer wieder ein Gefühl dafür, dass etwas, das wir gerade tun sehr gut klappt – oder eben auch nicht. In einer Reihe von experimentellen und Beobachtungsstudien untersuchen wir, wie gut unser Sicherheitsgefühl die Genauigkeit einer Diagnose vorhersagt und welche Faktoren sowohl das Sicherheitsgefühl selbst als auch dessen Kalibration beeinflussen.
Weiterführende Publikationen zum Thema finden Sie hier:

Drittmittel

Die Arbeit der Arbeitsgruppe Diagnosequalität & Patientensicherheit wird unterstützt durch

  • einen Grant des Schweizer Nationalfonds SNF 2020-2024 (laufend) 
  • einen Grant des Schweizer Nationalfonds SNF 2020-2021 (laufend) 
  • ein Marie Skłodowska-Curie Fellowship der Europäischen Union 2020-2022 an Dr. Kämmer (laufend) 
  • einen Grant des Schweizer Nationalfonds SNF 2018 (abgeschlossen)
  • einen Grant der Clinical Trials Unit und der Direktion Forschung des Inselspitals Bern 2016–2018 (abgeschlossen) 
  • einen Grant der Mittelbauvereinigung der Universität Bern 2016 (abgeschlossen)

Award

  • 2018 The presidents Honor medal, Society to improve Diagnosis in Medicine.
  • 2017 Editorial Internship at the Journal «Medical Education»
  • 2016 Miriam Friedman Ben-David Young Educator Award by the International Association for Medical Education in Europe (AMEE)

Mitarbeitende

Wissenschaftliche Mitarbeitende

  • Tanja Birrenbach, Oberärztin Notfallzentrum
  • Simone Ehrhard, Oberärztin Notfallzentrum
  • Martin Müller, Oberarzt Notfallzentrum
  • Thomas Sauter, Oberarzt Notfallzentrum

Promovenden & Masterstudenten

  • Nicole Frischknecht, Dissertantin
  • Daniel Oberholzer, Dissertant

Ehemalige Mitarbeitende

  • Meret Ricklin
  • Luca Schuler, Dissertant (abgeschlossen)
  • Giuliana Capaldo, Dissertantin (abgeschlossen)
  • Michèle Hoffmann, Dissertantin (abgeschlossen)