Stressresilienz lässt sich prognostizieren.

Die Reaktion auf lange andauernde, hohe Stressbelastung ist individuell. Eine zuverlässige Vorhersage soll nun möglich werden.

 

Ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich und der Mitwirkung des Inselspitals, Universitätsspital Bern und des Universitätsspitals Basel weist den Zusammenhang der individuellen Stressbewältigung mit der Aktivität einer bestimmten Hirnregion nach. Die Erkenntnisse ermöglichen es, die individuelle Disposition zur Stressresilienz zu bestimmen und damit Vorhersagen zur Fähigkeit der Stressbewältigung zu machen.


Die individuelle Fähigkeit länger anhaltende Belastungen zu bewältigen ist nicht nur in bestimmten Berufen (Gesundheitswesen, Verkehr, Sicherheit etc.) von immer grösserer Bedeutung, sondern auch in der täglichen Belastung beispielsweise während einer Pandemie. Bisher war es nur sehr begrenzt möglich, das Verhalten unter Stress und dessen Bewältigung individuell vorauszusagen.

Aktivität des locus coeruleus gibt entscheidende Informationen.

Die in der Studie «Real-world stress resilience is associated with the responsivity of the locus coeruleus” von Marcus Grueschow et al. publizierten Ergebnisse weisen die Aktivität des «Noradrenergetic locus coeruleus» (LC-NE) als entscheidend aus. Eine hohe Aktivität dieses Systems bei geringfügigen Reizen zeigt eine hohe Wahrscheinlichkeit an, dass die betreffende Person unter hoher Dauerbelastung zu Depressionen und Angstzuständen neigt. 

Ein praktischer Versuchsansatz.

Als Probanden für das Experiment wurden Medizinstudentinnen und –Studenten ausgewählt, die ein Praktikum in der Notfallabteilung leisten sollten. Damit konnte eine Gruppe von Personen für das Projekt aufgestellt werden, die mit Sicherheit eine länger dauernde und hoch belastende Stressphase zu bewältigen hatte. Die Probanden hatten Eingangs Aufgaben zu leisten, bei denen eine niederschwellige Konfliktsituation zu bewältigen war. Die individuelle Reaktion auf diese experimentellen Reize wurde dokumentiert und später mit der Bewältigung der Praktikumssituation korreliert. Resultat: Das Ansprechverhalten des LC-NE Systems hängt zusammen mit stressbedingter Angst und Depression unter Dauerbelastung.

Experten: 

- Dr. Marcus Grüschow, Department of Economics, Universität Zürich 

- Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Universitäres Notfallzentrum, Inselspital, Universitätsspital Bern


Kontakt: 
 

- Insel Gruppe AG, Kommunikation: +41 31 632 79 25, kommunikation@insel.ch